Zu Besuch auf einem französischen Weingut

Freitag. Sonnenschein. Der Geruch von Sommer liegt in der Luft. Ein liebevoll gedeckter Tisch erwartet mich im südfranzösischen Ort Villecroze, zwischen Salernes und Draguignan gelegen.

Zur Mittagszeit besuche ich das Weingut „Château Majoulière“ der belgischen Weinbauern Béatrice und Stefan.

Chateau de Majouliere - WeingutIn 2007 erfüllten die beiden sich ihren Traum vom eigenen Weingut. Stefan, eigentlich Chirurg im Krankenhaus von Mol (B) hat sich gemeinsam mit seiner Frau Béatrice eine Nebenexistenz als Winzer in Südfrankreich aufgebaut. Ihr Ziel: Zukünftig ganz vom Weingeschäft leben.
Chateau de Majouliere  - VerkaufsraumIhre Geschichte:
Das Paar war mit ihren beiden Söhnen auf Spanienurlaub, wo es aber nur geregnet hatte. Nach einem Blick auf die Wetterkarte entschied Stefan kurzerhand die letzte Ferienwoche im sonnigen Luberon in der Provence (F) zu verbringen. Von diesem Ort verzaubert, kaufte sich die Familie dort ein Ferienhaus. Freunde und Bekannte kommen regelmäßig zu Besuch. Jeden Tag trägt Stefan viele leere Weinflaschen zum Glascontainer. Er denkt sich: „Ein Ferienhäuschen mit einem Hektar Weinreben zum Eigengebrauch wäre schon toll: So könnte ich meinen eigenen Wein für meine Freunde produzieren.“

Schlussendlich hat die Familie Rehen-Van Baelen ein Weingut mit 12ha Weinreben gekauft. Die Gebäude des neugetauften „Château Majoulière“ waren anfangs in einem sehr schlechtem Zustand, dafür waren die Weinpflanzen von Topqualität.

Als Chirurg hat man natürlich nicht unbedingt Ahnung, wie Wein angebaut wird. Für Stefan aber absolut kein Hindernis sich in Fachliteratur zu stürzen und Önologen auszuquetschen, bis er genug wusste, um seinen eigenen Wein herzustellen.

Der Vorbesitzer des Weingutes hat Flaschen in Massen produziert. Leider litt die Qualität des Weines auch sehr darunter. Die Reben hingen über und über mit Trauben.  Stefan und Béatrice hingegen wollten von Anfang an Wein von hoher Qualität produzieren. Sie entzweigen ihre Reben sorgfältig bis auf zwei Zweige, damit die Trauben genug Platz haben und somit gut reifen können. Mit dieser Vorgehensweise haben sie schon viele Medaillen eingeheimst.
Chateau de Majouliere - Winzer StefanBei einem Rundgang durch das Weingut lebt Stefan richtig auf. Seine Augen strahlen, wenn er vom Weinanbau berichtet. Wer denkt das Ehepaar lehne sich den ganzen Tag gemütlich zurück und lebe wie Gott in Frankreich, hat sich getäuscht. Denn wie ich heute erfahre, steckt eine Menge Arbeit hinter dem Weinanbau. Das Ehepaar führt alles in Eigenregie durch: Von der Produktion über das Marketing bis hin zum Verkauf. Um alles unter Kontrolle zu halten jetten die beiden einmal im Monat zu ihrem Weingut nach Villecroze.Chateau de Majouliere - WeinfässerDas Weingut gehört zur „Appelation des Coteaux Varois“. Sowohl der Rotwein als auch der Weißwein reift in Eichenfässern.
Chateau Majouliere - WeinprobeStefan und Béatrice stellen fünf verschiedene Sorten Rotwein her. Der erste Rotwein und zugleich der teuerste im Angebot „Cuvée Béatrice“ hat schon zahlreiche Medaillen gewonnen. Daneben stellen sie noch einen Rosé und einen Weißwein her. Der Preis einer Weinflasche aus dem „Château Majoulière“ liegt zwischen 6€ und 15€.Chateau Majouliere - VerkaufsraumPro Jahr verkauft das Winzerpaar 35 000 Flaschen an Privatpersonen. Sie verkaufen ihren Wein sowohl im eigenen Laden auf dem Weingut als auch in Belgien, privat oder auf Weinmessen. Den Laden betreibt eine südfranzösische Angestellte. Alle Messen stemmt das Ehepaar alleine.Chateau de Majouliere - WeinkisteDer Name „Majoulière“ bedeutet auf alt Provenzalisch „Weinstock“ oder „Weingarten“.
Chateau de Majouliere - Stefan und BéatriceNach 5 Stunden vor Ort verabschiede ich mich von den beiden.

Danke Stefan und Béa für den sehr schönen Nachmittag.

Adresse in Frankreich:
Château de Majoulière
1242 Route de Draguignan
F – 83690 Villecroze

Adresse in Belgien:
Beatrice en Stefan Reher – Van Baelen
Ispralaan 59
B – 2400 Mol

Website: http://www.chateaudemajouliere.fr

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