Zu Besuch auf einem französischen Weingut

Freitag. Sonnenschein. Der Geruch von Sommer liegt in der Luft. Ein liebevoll gedeckter Tisch erwartet mich im südfranzösischen Ort Villecroze, zwischen Salernes und Draguignan gelegen.

Zur Mittagszeit besuche ich das Weingut „Château Majoulière“ der belgischen Weinbauern Béatrice und Stefan.

Chateau de Majouliere - WeingutIn 2007 erfüllten die beiden sich ihren Traum vom eigenen Weingut. Stefan, eigentlich Chirurg im Krankenhaus von Mol (B) hat sich gemeinsam mit seiner Frau Béatrice eine Nebenexistenz als Winzer in Südfrankreich aufgebaut. Ihr Ziel: Zukünftig ganz vom Weingeschäft leben.
Chateau de Majouliere  - VerkaufsraumIhre Geschichte:
Das Paar war mit ihren beiden Söhnen auf Spanienurlaub, wo es aber nur geregnet hatte. Nach einem Blick auf die Wetterkarte entschied Stefan kurzerhand die letzte Ferienwoche im sonnigen Luberon in der Provence (F) zu verbringen. Von diesem Ort verzaubert, kaufte sich die Familie dort ein Ferienhaus. Freunde und Bekannte kommen regelmäßig zu Besuch. Jeden Tag trägt Stefan viele leere Weinflaschen zum Glascontainer. Er denkt sich: „Ein Ferienhäuschen mit einem Hektar Weinreben zum Eigengebrauch wäre schon toll: So könnte ich meinen eigenen Wein für meine Freunde produzieren.“

Schlussendlich hat die Familie Rehen-Van Baelen ein Weingut mit 12ha Weinreben gekauft. Die Gebäude des neugetauften „Château Majoulière“ waren anfangs in einem sehr schlechtem Zustand, dafür waren die Weinpflanzen von Topqualität.

Als Chirurg hat man natürlich nicht unbedingt Ahnung, wie Wein angebaut wird. Für Stefan aber absolut kein Hindernis sich in Fachliteratur zu stürzen und Önologen auszuquetschen, bis er genug wusste, um seinen eigenen Wein herzustellen.

Der Vorbesitzer des Weingutes hat Flaschen in Massen produziert. Leider litt die Qualität des Weines auch sehr darunter. Die Reben hingen über und über mit Trauben.  Stefan und Béatrice hingegen wollten von Anfang an Wein von hoher Qualität produzieren. Sie entzweigen ihre Reben sorgfältig bis auf zwei Zweige, damit die Trauben genug Platz haben und somit gut reifen können. Mit dieser Vorgehensweise haben sie schon viele Medaillen eingeheimst.
Chateau de Majouliere - Winzer StefanBei einem Rundgang durch das Weingut lebt Stefan richtig auf. Seine Augen strahlen, wenn er vom Weinanbau berichtet. Wer denkt das Ehepaar lehne sich den ganzen Tag gemütlich zurück und lebe wie Gott in Frankreich, hat sich getäuscht. Denn wie ich heute erfahre, steckt eine Menge Arbeit hinter dem Weinanbau. Das Ehepaar führt alles in Eigenregie durch: Von der Produktion über das Marketing bis hin zum Verkauf. Um alles unter Kontrolle zu halten jetten die beiden einmal im Monat zu ihrem Weingut nach Villecroze.Chateau de Majouliere - WeinfässerDas Weingut gehört zur „Appelation des Coteaux Varois“. Sowohl der Rotwein als auch der Weißwein reift in Eichenfässern.
Chateau Majouliere - WeinprobeStefan und Béatrice stellen fünf verschiedene Sorten Rotwein her. Der erste Rotwein und zugleich der teuerste im Angebot „Cuvée Béatrice“ hat schon zahlreiche Medaillen gewonnen. Daneben stellen sie noch einen Rosé und einen Weißwein her. Der Preis einer Weinflasche aus dem „Château Majoulière“ liegt zwischen 6€ und 15€.Chateau Majouliere - VerkaufsraumPro Jahr verkauft das Winzerpaar 35 000 Flaschen an Privatpersonen. Sie verkaufen ihren Wein sowohl im eigenen Laden auf dem Weingut als auch in Belgien, privat oder auf Weinmessen. Den Laden betreibt eine südfranzösische Angestellte. Alle Messen stemmt das Ehepaar alleine.Chateau de Majouliere - WeinkisteDer Name „Majoulière“ bedeutet auf alt Provenzalisch „Weinstock“ oder „Weingarten“.
Chateau de Majouliere - Stefan und BéatriceNach 5 Stunden vor Ort verabschiede ich mich von den beiden.

Danke Stefan und Béa für den sehr schönen Nachmittag.

Adresse in Frankreich:
Château de Majoulière
1242 Route de Draguignan
F – 83690 Villecroze

Adresse in Belgien:
Beatrice en Stefan Reher – Van Baelen
Ispralaan 59
B – 2400 Mol

Website: http://www.chateaudemajouliere.fr

Europaspaziergang in Brüssel

Brüssel, Hauptstadt Belgiens. Hauptstadt Europas. Heute bin ich im Südosten der Stadt unterwegs, im lebhaften Europaviertel.

Ich starte meinen Europaspaziergang an der Place Luxembourg mit einem Tässchen Kaffee auf einer der vielen schönen Terrassen. Der Platz ist umgeben von Restaurants, mittendrin eine Grünanlage, rundherum tobt der Verkehr.  Absoluter Blickfang des Platzes ist das alte Bahnhofsgebäude der Gare du Luxembourg, wo sich das Europäische Parlament im Hintergrund auftürmt.

Place Luxembourg BrüsselAm alten Bahnhofsgebäude mit der schönen Uhr laufe ich links um die Ecke auf die Esplanade des EU-Parlaments. Die Esplanade ist die Fussgängerzone vor dem EU-Parlament und der Gare du Luxembourg. Die Stimmung ist busy busy. EU-Angestellte, Journalisten und Politiker laufen in schicken Anzügen geschäftig um die Wette. Auch das Parlamentarium, das Besucherzentrum des EU-Parlaments, befindet sich an der Esplanade. Jeder kann hier täglich und kostenlos die digitale und sehr aufwändige Ausstellung zur Europäischen Union anschauen.

Esplanade BrüsselDas Gebäude des EU-Parlaments ist einfach nur gigantisch. Die Fensterputzer haben auf jeden Fall alle Hände voll zu tun. Die EU-Abgeordneten aus den Mitgliedstaaten tagen entweder in Brüssel oder in Strassburg.

EU-Parlament BrüsselVom EU-Parlament gelange ich nach zwei Minuten zum Ausschuss der Regionen und Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, zwei Nebenorgane der EU. Hier gibts abgesehen von einer Fassade nichts Spektakuläres zu entdecken.

Nach weiteren fünf Minuten erreiche ich den ersten Park. Der Leopoldpark ist eine kleine grüne Oase im Europaviertel. Von der Parkseite sehe ich das EU-Parlament aus einem anderen, aber genauso imposanten Blickwinkel. Davor stehen einige historische Gebäude, wie z.B. das Königliche Institut für Naturwissenschaften. Am grossen Teich schmeissen Kinder den Enten Brotkrümel zu.

Parc Leopold BrüsselLunchtime! Darauf freue ich mich schon den ganzen Morgen! Heute gibt es die besten Fritten überhaupt. Ich marschiere entschlossen zur berühmten Fritterie Antoine. Ich übertreibe keinesfalls, denn diese Bude mitten auf der Place Jourdan wurde schon oft zur besten Frittenbude weltweit gekürt (u.a. von der New York Times). Die Frittenbude besteht schon seit 60 Jahren und wird in der 3. Generation geführt. Ich vermute, dass Antoine in jedem Reiseführer als Insidertipp gehandelt wird, denn hier stehen zu jeder Zeit Menschen und möchten die weltberühmten Fritten testen. Die umliegenden Cafés haben sich ebenfalls auf diesen Rummel eingestellt, denn überall ist das Mitbringen von Frittentüten erlaubt.
Place Jourdan Brüssel AntoineWeiter gehts zur Rue de la loi: Eine der wichtigsten Strassen Brüssels. Die Rue de la loi (übersetzt: Strasse des Gesetzes) kennt man aus den Medien. In den Gebäuden dieser Strasse werden sowohl auf europäischer als auch auf belgischer Ebene Gesetze ausgetüftelt.

Rue de la loi BruxellesDie EU-Kommission befindet sich im Berlaymont-Gebäude und bildet die Zentrale der Europäischen Institutionen. Mit der Metro erreicht man die Station Schuman ab dem Zentralbahnhof nach nur fünf Stops. Das Gebäude war früher ein grosses Frauenkloster. Hier lebten die Damen von Berlaymont. Von 1992 – 2004 war das Gebäude wegen Asbestbelastung geschlossen und nach Renovierungsarbeiten in 2004 wieder neueröffnet. Aktuell sitzt hier Kommissionspräsident Juncker mit seinen 28 Kommissaren und regiert die Europäische Union.

Europäische Kommission Brüssel BerlaymontDirekt gegenüber dem Berlaymont-Gebäude befindet sich der Europäische Rat. Hier tagen die Staats- und Regierungschefs aus den aktuell 28 Mitgliedsstaaten, zusammen mit dem Kommissionspräsidenten und dem Präsidenten des Europäischen Rates.

Europäischer Rat BrüsselSchon von weitem erkenne ich die bekannte Quadriga des Triumphbogens. Das bedeutet der Parc du Cinquantenaire (übersetzt: Park des 50. Jahrestags oder Jubelpark) ist nicht mehr weit.
Im Vergleich zum Leopoldpark ist der Jubalpark mit 37ha Fläche sechsmal grösser. Jogger drehen ihre Runden, andere geniessen die Frühlingssonne auf einer Parkbank. Zwei schöne Bauwerke stechen mir ins Auge: das Autoworld – und das Militärmuseum.  Der Park eignet sich bei Sonnenschein natürlich sehr gut für ein Picknick. Und wer es etwas schicker mag, dinniert in der Parkside Brasserie, direkt am Eingang des Parks.

Parc Cinquentenaires BrüsselTipp für Schnäppchenjäger: Am Wochenende sind die schicken Hotelzimmer im Europaviertel sehr stark reduziert.

 

Zu Gast in der belgischen Sterneküche

Samstagabend. Ein grosser Abend steht bevor, denn ich esse zum aller ersten Mal in einem Sternerestaurant.

Über Belgien kann man so einiges sagen, aber wenn es ums Essen geht, sind die Belgier mit vielen ausgezeichneten Feinschmeckerrestaurants absolut auf der kulinarischen Höhe.

Heute bin ich im „Hotel Zur Post“ zu Gast. Der Chefkoch des 1-Sternerestaurants hat sein Handwerk in Düsseldorf, Gent, Paris und New York gelernt und führt das Gourmetrestaurant nun in dritter Generation.

Als ich das Restaurant betrete, herrscht eine sehr einladende Atmosphäre: gedimmtes Licht, Kerzenschein, leise Musik, frische Blumen und weisse Tischtücher.

In einer Sesselecke im Barbereich bestelle ich einen Aperitif und das Menu „BEST OF …2003-2014“.  Zu jedem Gang wird der Sommelier den passenden Wein reichen. Also nur mehr zurücklehnen und geniessen.

Ich zeige euch mein kulinarisches Erlebnis in 10 Instagram-Bildern:

Das Programm startet mit dem Hausaperitif: Blutorange und Ingwer mit Cava aufgeschüttet. Sehr erfrischend.
Dazu werden vier verschiedene Amuse-Bouche gereicht:
– Lachs mit Kruste und Wasabi
– Karottencreme
– Zwiebelconfit
– Hörnchen mit Ardenner Schinken-Mousse

Amuse-Bouche

Zu Tisch gehts weiter mit der ersten Vorspeise oder wie der Kellner sagt: Die „Vorvorspeise“: Kokosschaumsüppchen mit Zitronengras.

Kokossüppchen mit ZitronengrasErste Vorspeise: Königskrabbe mit Avocado-Mousseline, frischem Koriander, Krokant aus Leinsame mit Granny Smith Apfel und Wasabi Eis.
Weisswein: 2013, Muscadet de Sèvre-et-Maine – Les Gras Moutons (Domaine de la Pépière).

Vorspeise Sterneküche

Zweite Vorspeise: Angelbarsch a la plancha mit asiatischem Wurzel-Gemüse, getrockneten Oliven und Granatapfelkernen.
Am Tisch – nachdem der Teller schon serviert wurde – gibt der Kellner noch einmal Tamarinde-Bouillon über das Gericht.
Dazu ein sehr leckerer trockener Weisswein: 2012, Saar Riesling (Weingut Van Volxem)

Vorspeise Sternerestaurant

Dritte Vorspeise: Jakobsmuschel mit Kaffir-Limette, Beluga Linsen und Mandel Emulsion.
Der Weisswein wird schon immer dunkler: 2013, Le Roc Blanc – Véritable Vin de Table de France pour la table (Domaine le Roc)

Jakobsmuschel Sternerestaurant

Hauptgang: Anjou-Täubchen geräuchert à 65°, gebackene Entenleber, vergessenes Gemüse (gemeint sind Pastinaken) und Kartoffelgalette.
Rotwein: 2013, Côtes du Roussillon Villages – Segna de Cor (Le Roc des Anges)

Taube Sternerestaurant

Vordessert: Zitronencreme

Zitronencreme Sterneküche

Dessert: Schokolade und Sauerkirsch … Idee Schwarzwälder Torte
Dazu ein leicht prickelnder und süsser Rosé-Wein, der perfekt zum Nachtisch passt: Bugey Cerdo, Domaine Raphäel Bartucci.

Dessert Sternerestaurant

Zum Kaffee werden weitere Petits Fours gereicht.

Petits Fours Sterneküche

Fazit: leckerer Gaumenschmaus mit asiatischem Touch, super Wein und sehr guter Service.

Adresse: 
Hotel Zur Post
Hauptstrasse 39
4780 Sankt Vith
Belgien
www.hotelzurpost.be

Mit dem Auto:
– 1 Stunde von Aachen entfernt.
– 1 Stunde 40 Minuten von Köln und Brüssel entfernt.

Städtetrip nach Gent

Gent, die Stadt im Westen Belgiens ist eine äußerst charmante Dame. Das Zentrum gehört den Radfahrern und Fußgängern, Spare-Rips à volonté gibt’s an jeder Ecke und originell shoppen kann man hier bis die Kreditkarte explodiert. 

Gent ist die große Schwester der touristisch bekannteren Stadt Brügge. Mit knapp 250 000 Einwohnern ist Gent die drittgrößte Stadt Belgiens nach Brüssel und Antwerpen. Hier leben zudem 70 000 Studenten, was Gent zur größten Studentenstadt Belgiens macht.

In diesem Blogartikel schreibe ich über die schönen Stellen in Gent und gebe eine Menge Tipps für Shopping, Hotels, Essen & Trinken.

Anlässlich des Lichtfestivals reise ich Ende Januar für zwei Tage mit dem Zug in die flämische Metropole. Die Fahrt von Verviers nach Gent dauert genau zwei Stunden.

Am Bahnhof Gent-Sint Pieters angekommen, nehme ich die Tramlinie Nr. 1 in Richtung Evergem-Brielken bis zur Station Gent-Savaanstraat. Ich steige direkt an der Eingangstür des Hotels Ibis Gent Centrum Opera aus, wo ich für eine Nacht bleibe. Das Ibis ist ein einfaches und sehr modernes Stadthotel direkt neben der Einkaufsstraße.

Nachdem ich meinen Balast abgeladen habe, starte ich meinen Stadtrundgang am Gravensteen, dem wichtigsten und ältesten Monument von Gent.

Die mächtige Festung aus dem Mittelalter ist umgeben von Wasser und bildet den historischen Kern der Stadt. Bis zum 14. Jahrhundert residierten hier die Grafen von Flandern. Später wurde der Gravensteen als Gefägnis und Münzprägerei genutzt.  Heute spazieren Besucher über die Festungsmauern oder besichtigen die schaurigen Folterinstrumente und Kerker aus früheren Zeiten.

Gent Gravensteen

Vom Gravensteen gehe ich in Richtung Korenmarkt. Auf dem Weg dorthin werfe ich kurz einen Blick ins Vleeshuis. Das Fleischhaus war im 15. Jahrhundert eine Markthalle und beherbergt heute kleine Cafés und einen überdachten Markt mit regionalen Produkten.

Fragt man einen Genter nach dem Stadtzentrum beschreibt er einem die Gegend um den Korenmarkt, nur einen Steinwurf vom Gravensteen entfernt. Der Korenmarkt ist ein großer gepflasterter Platz umgeben von kleinen Cafés, Restaurants und Geschäften. Von einer Bank aus beobachte ich wie eine Möwe eine Taube jagt und bin leicht verwirrt, bis mir schnell bewusst wird, dass die Nordsee ganz nah ist. Gent liegt jeweils 50 km von Antwerpen, Brüssel und der belgischen Küste entfernt.

Gent Korenmarkt

Ich spaziere weiter vom Korenmarkt zu Gents Graffitistraße, der Werregarenstraat. In dieser kleinen Gasse dürfen sich Straßenkünstler nach Belieben austoben. Daher ändert die Straße ihr Aussehen auch ständig. Etwas weiter gelange ich zum Platz Vrijdagsmarkt. Hier findet – wie der Name bereits vermuten lässt – jeden Freitag ein Markt statt. Am Rande des Platzes, direkt vorm Wasser, sehe ich die Große Kanone, im Volksmund Dulle Griet (böse Frau) genannt. Es handelt sich um eine alte Kanone aus dem 15. Jahrhundert, die 12 500 kg wiegt. Etwas weiter, vor der Sint-Jacobskerk findet auch jeden Freitag ein Trödelmarkt statt.

Gent Graffitistrasse

Langsam bekomme ich Hunger: Lunchtime!
Ich gehe Richtung Süden über den Vlasmarkt: ein geselliges Plätzchen am Abend mit vielen Bars & Cafés.

Auf Empfehlung einer Genterin gehe ich zum Lunch ins Superette. Das Lokal liegt etwas außerhalb vom historischen Zentrum und wurde erst kürzlich eröffnet. De Superette ist Bäckerei und Restaurant in einem.  Die Küche ist offen, die Dekoration schlicht. Das Alleinstellungsmerkmal: Selbstgebackenes Brot aus dem Steinofen. Ich bestelle ich mir somit eine Quiche mit Brot und Salat von der Tageskarte. Delicious!
In der Nähe vom Restaurant befinden sich übrigens zwei tolle Kleidergeschäfte: The Movies und der Vintage-Laden Old and New.

Lunch De Superette Gent

Das Stadtzentrum von Gent wurde im 2. Weltkrieg nicht angegriffen und ist daher noch sehr gut erhalten. Gent ist historisch und sehr authentisch. Das soll auch in Zukunft so bleiben, denn die Genter achten – wie man auf dem Foto sieht – sehr darauf, die ursprünglichen Fassaden zu erhalten.

Gent Fassade

Weiter im Text! Ich erreiche nun die Gras- und Korenlei, an der Gracht des historischen Hafens gelegen. Die Graslei ist die meistfotografierte Häuserfassade von Gent. CNN wählte den ehemaligen Hafen zum 17. schönsten Platz der Welt. Das Reisemagazin National Geographic sogar zum 10. schönsten Platz weltweit. Kaum vorstellbar, aber im 11. Jahrhundert befand sich an diesem idyllischen Fleckchen der zweitgrößte Hafen Europas nach Paris. An der Gras- und Korenlei fließen die beiden Flüsse Schelde und die Leie zusammen. Seitlich des Wassers stehen die historischen Gildehäuser, wo Händler im Mittelalter um Getreide gefeilscht haben. Die schönste Perspektive auf die Gras-und Korenlei hat man von der Michielsbrug. Die Häuser spiegeln sich im Wasser und im Hintergrund erkenne ich wieder den Turm vom Gravensteen.
Vom alten Hafen ist heute abgesehen von den Touristenbooten nichts mehr zu sehen. Ich kann eine Bootsfahrt ab der Graslei sehr empfehlen: Die Füße können etwas entspannen, ich sehe die Stadt aus Entenperspektive und lausche den sehr interessanten Erklärungen des Bootsführers.

Gent Korenlei

Am wassergelegenen Café True Beans mache ich einen kurzen Zwischenstopp für einen Cappuccino aus güldenem Porzellan.

Café True Beans

Hatte ich schon gesagt, dass Gent eine historische Stadt ist? Gent bietet Kirchen an allen Ecken. Die drei bekanntesten werden die „drei Türme“ von Gent genannt:
– Sint Niklaaskerk
– Belfort
– Sint-Baafskathedral

Die drei Türme fotografiere ich ebenfalls von der Michielsbrug aus. Die Sankt-Nikolauskirche sieht man vorne im Bild, dahinter der 95 Meter hohe Belfried, der für die Unabhängigkeit der Stadt steht. Der Belfried gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Drinnen setze ich mich in eine Bank und lausche dem Konzert einer Orgelschülerin. Oben auf dem Belfried hat man freie Sicht auf die gegenüberliegende Sint-Bavo Kathedrale, dem dritten Turm im Bunde.
Der Bau der Sint-Bavo Kathedrale hat sich über einige Jahrhunderte hingezogen. Heute wird der Genter Dom – wie man unschwer erkennen kann – wieder restauriert. Der Bootsführer sagte während unserer Tour, wer diese Kathedrale nicht von innen gesehen hat, kann nicht von sich behaupten Gent gesehen zu haben. Uuuh, ernste Worte! Denn in der Sint-Bavo Kathedrale befindet sich der berühmte Genter Altar der Gebrüder Jan und Hubert van Eyck mit einer der berühmtesten Meisterwerke der Malerei: 12 Tafeln, die die Anbetung des Lamm Gottes darstellen. Im Jahr 2014 war der Genter Altar sogar Gegenstand des deutsch-amerikanischen Spielfilms „The Monuments Man“ mit George Clooney als Regisseur und Hauptdarsteller. In der Handlung wird der Genter Altar von Nazis gestohlen. Eine Geschichte, die zum Teil sogar auf wahren Gegebenheiten basiert.

Gent 3 TürmeAm Abend schlendere ich durch die schöne Stadt, selbst im dunkeln noch immer strahlend. Kleiner Tipp: Die Stadt Gent bietet einen Nachtparcours an, vorbei an den beleuchteten Monumenten.

IMG_0076 2Mich zieht es in das nette Viertel Patershol. Diese Gegend ist vor allem abends ein Spaziergang wert. Patershol, das sind kleine beleuchtete Gässchen mit netten Restaurants. Wie zum Beispiel das Amadeus, wo ich online einen Tisch reserviert habe. Hier geht es sehr laut und gesellig zu. Das Amadeus bietet als Spezialität des Hauses gegrillte Spare-Rips für 15,95 Euro oder gegrillte Gambas für 18,95 Euro an. Der Service ist schnell und das Essen sehr lecker.
Gent Amadeus

Das war ein ereignisreicher Tag in Gent. Zum Abschluss veröffentliche ich – vor den Empfehlungen – ein tolles Video des Produzenten Michael Tiger mit 10 Minuten Impressionen aus Gent:

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Cafés:

True Beans
nettes Café mit sehr leckerem Kaffee direkt am Wasser
Jan Breydelstraat 18
9000 Ghent

Julie’s House
Torten & Cupcakes
Kraanlei 13
9000 Gent

Quetzal – De chocoladebar
Kakao, Gebäck, Eis & Milchshakes
Sint-Pietersnieuwstraat 99
9000 Gent

Restaurants:

Balls & Glorie
originelles und leckeres Hackbällchenrestaurant von Wim Ballieu mit schneller Bedienung. (Nähe Einkaufsstrasse)
Jakobijnenstraat 6
9000 Gent

Amadeus Gent 1
Geselliges und lautes Restaurant. Spezialität Spare-Ribs à volonté. Schneller Service
Plotersgracht 8-10
9000 Gent

De gekroonde Hoofden
Spezialität Spare-Ribs à volonté.
Burgstraat 4
9000 Gent

De Superette
Trendige Bäckerei & Restaurant mit offener Küche
Guldenspoorstraat 29
9000 Gent

Twilight Zone
Restaurant mit schöner ruhiger Terrasse im Stadtzentrum
Zuidstationstraat 35
9000 Gent

Bars: 

The Drifter
Cocktailbar
Oudburg 47
9000 Gent

Bar des Amis
gesellige Bar für abends
Vlasmarkt 5
9000 Gent

Jiggers
Cocktails &a Drinks
Oudburg 16
9000 Gent

Charlatan
Zentrum des Genter Nachtlebens: Musikcafé, Konzerte & Sonnenterrasse
Vlasmarkt 17
9000 Gent

Shopping:

Veldstraat (Nähe Korenmarkt) ist die Haupteinkaufsstraße von Gent.
Kleine schöne Geschäfte & Boutiquen in folgenden Straßen:
Brabantdam
St-Niklaasstraat
Langemunt
Serpentstraat
Sint-Pietersnieuwstraat

Shops: 

Achter de Maan
Originelle Geschenkideen
St-Niklaasstraat 1
9000 Gent

Zsa Zsa Rouge
originelle Accessoires und Geschenkartikel
Serpentstraat 22
9000 Gent

Petit Bazaar
Shop für Kinderkleidung mit zugehörigem Onlineshop
Oudburg 13
9000 Gent

Old en new
Vintage Shop
Sint-Pietersnieuwstraat 3
9000 Gent

The movies
ausgefallenes Kleidergeschäft für Männer und Frauen
Sint-Pietersnieuwstraat 5
9000 Gent

Louise & Madeleine
Handgefertigte Geschenke
Kraanlei 61
9000 Gent

Maaike kleedt
Frauenmode: skandinavische, französische & belgische Marken inkl. Onlineshop
Zuivelburgstraat 6
9000 Gent

Übernachten:

Hotel Ibis Gent Centrum Opera
modernes & einfaches Hotel direkt neben der Einkaufsstrasse
Nederkouter 24-26
9000 – GENT

Backstay Hostel 
moderne & preisgekrönte Jugendherberge im Herzen von Gent. Zimmer mit 2-15 Betten.
Sint-Pietersnieuwstraat 128
9000 Gent

Snooz Inn
Boutique & Design Bed & Breakfast mit Top-Bewertung
Ham 89
9000 Gent

Danke Vanessa, Sylvie & Ann.

Weitere Blogartikel:
Lichtfestival in Gent
Ein Tag in Antwerpen

Brüssels Klassiker

Anfang Dezember verbringe ich einen seeeehr kalten Tag in Brüssel.
Ich entscheide mir noch einmal Brüssels Klassiker anzusehen. Mein Spaziergang führt mich an diesem Morgen vom Zentralbahnhof zu den königlichen Sankt-Hubertus-Galerien, zur Grand Place, zum Manneken Pis und zum Kunstberg.

In diesem Blogartikel zeige ich euch meine Route die ich gemütlich in nur 30 Minuten zu Fuss zurückgelegt habe.

Ankunft mit dem Zug in Bruxelles-Centrale. Zugegeben der Bahnhof von Brüssel ist nicht so spektakulär wie der Bahnhof von Antwerpen oder Lüttich, dafür liegt er sehr zentral und ist ideal als Ausgangspunkt für eine Besichtigungstour durch Brüssel. Ich nehme den Ausgang „Grand Place“.
Bahnhof Brüssel

Die Hauptstadt schlummert noch vor sich hin: Die Müllmänner sind unterwegs. Die Schaufenster der Edelboutiquen werden auf Hochglanz gebracht. Die Brüsseler sitzen beim Frühstück in den Straßencafés.
Brüssel

Die königlichen Sankt-Hubertus-Galerien
Über die Rue du Marché aux Herbes erreiche ich schon nach einigen Minuten die königlichen Sankt-Hubertus-Galerien.
Die sollte wirklich jeder gesehen haben, der Brüssel besucht. Die Galerien mit ihrem prunkvollen Glasdach wurden in 1847 erbaut und sollen die schönsten Europas sein. Die Galerien beherbergen ein Theater, ein Kino, stilvolle Cafés, Luxusboutiquen und natürlich die großen Namen der belgischen Schokoladenwelt.  Gut betuchte Menschen und Touristen mit Reiseführern flanieren durch die königlichen Hallen.

Die Sankt-Hubertus-Galerien setzen sich aus drei Teilen zusammen: der „Galerie de la Reine“ (Galerie der Königin), der „Galerie du Roi“ (Galerie des Königs) und der „Galerie du Prince“ (Galerie des Prinzen). Zwischen der Galerie de la Reine und der Galerie du Roi liegt die berühmt berüchtigte Restaurantstraße Rue des Bouchers, wo ich bisher jedoch zweimal abgezockt worden bin und seit 2008 keinen Fuss mehr reinsetzte. Die Restaurants locken mit billigen Angeboten und die Kellner zerren einen fast ins Lokal. Einmal drin muss man sich nicht wundern, wenn aus den angepriesenen 15 € eine Rechnung von 100 € wird. Bon, in sieben Jahren kann sich ja auch vieles ändern…

Sankt Hubertus Galerien

Wenn man einmal durch die hohen Hallen marschiert erreicht man über die Rue d’Arenberg das bekannte Café A la Mort Subite. Hier gibt es verschiedene belgische Biersorten, entweder frisch vom Fass oder aus Flaschen: wie z.B. das Fruchtbier „Kriek“.
Ich gehe allerdings in die andere Richtung durch die Rue de la Collinne zur weltberühmten Grand Place.

Grand Place
Der Grote Markt oder Grand Place ist UNESCO-Weltkulturerbe und einer der schönsten Plätze der Welt. Umgeben von Zunfthäusern aus dem 17. Jahrhundert ragt das Rathaus  von Brüssel (Baujahr 1402) hervor.
Grand Place BrüsselSpitzenläden, Schokoladengeschäfte und jede Menge Souvenirshops befinden sich auf der Grand Place und in den kleinen Pflasterstraßen in der Umgebung.
Schokolade Brüssel
Grand Place BruxellesTraditionell zur Weihnachtszeit wird jährlich ein gigantischer Weihnachtsbaum auf der Grand Place aufgebaut.
Hier finden auch regelmäßig Großveranstaltungen statt: Einmal im Jahr  überdeckt ein riesiger Blumenteppich den gesamten Platz. Oder die Stadt veranstaltet die „Light & Sound Show“ im Rahmen der Veranstaltung „Plaisirs d’Hivers“ (übersetzt: Die Freuden des Winters), wie im folgenden Video zu sehen:

Manneken Pis
Ich laufe quer über die Grand Place zur Rue de l’Etuve, wo sich Brüssels Liebling und gleichzeitig Wahrzeichen der Stadt befindet: der Manneken Pis. Es handelt sich hierbei um eine kleine dafür aber legendenumwobene Brunnenfigur, wo zu jeder Tageszeit Touristen mit Fotoapparaten davorstehen. Unser Manneken ist sehr modebewusst und zählt daher eine Garderobe von 883 Kostümen, die alle im Brüsseler Stadtmuseum „Maison du Roi“ auf der Grand Place ausgestellt sind.  Ich kämpfe mich durch die Touristenmassen und als ich endlich in der ersten Reihe stehe, kann ich ein Foto von ihm machen.
Was viele nicht wissen: Manneken Pis hat auch eine Schwester, Jeanneke Pis, die in der Nähe der Sankt-Hubertus Galerien (Impasse de la Fidélité) hockt.

Manneken Pis

Überreste der ersten Stadtmauer
Vom Manneken Pis aus stapfe ich die Rue du Chêne hinauf und mache rechts einen kleinen Schlenker durch die Rue des Villers um die Überreste der alten Brüsseler Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert zu sehen.

Strasse Brüssel

Neben dem Tour de Villers befinden sich noch zwei weitere Stellen in Brüssel mit architektonischen Überresten aus dem Mittelalter: Tour Noire und Tour Anneessens.
Stadtmauer Brüssel

Kunstberg
Von der alten Stadtmauer laufe ich wieder in Richtung Gare Centrale. Nach knapp zehn Minuten erreiche ich den Monts des Arts oder Kunstberg (sowohl in Deutsch als auch in Niederländisch). Unter König Leopold II wurde Anfang 1900 der Mont des Arts, d.h. der Abschnitt zwischen Grand Place und Königspalast, von einem Landschaftsarchitekten neu geplant. So entstand die heutige Parkanlage.
Wie der Name schon verrät befindet sich hier das Kunst- und Kulturviertel, bzw. das Museumsviertel von Brüssel. In der Nähe sind zum Beispiel das Margritte-Museum, das Musikinstrumentenmuseum im Gebäude des Old England, der BOZAR und die königliche Bibliothek Belgiens. Vom oberen Teil der Anlage sieht man den Turm des Rathauses auf der Grand Place. Bei sonnigem Wetter kann man sogar die Basilica Koekelberg und das Atomium erkennen.
Kunstberg200 Meter weiter befindet sich schon wieder der Hauptbahnhof. Somit endet mein halbstündiger Stadtbummel.
Dieser Spaziergang eignet sich hervorragend um einen ersten Eindruck von Brüssel zu erhalten. Ideal auch für Menschen, die auf der Durchreise sind oder deren Züge Verspätung haben.

Siehe auch folgende Artikel zu Brüssel:
Jugendstil mit toller Aussicht
Ein Sonntagsspaziergang durch Brüssel