Ein Sonntagsspaziergang durch Brüssel

Bonjour Bruxelles! Goeden dag Brussel!

Zwei Amtssprachen, eine Stadt: Das ist Brüssel.

Ich verbringe einen sonnigen Sonntag in unserer Hauptstadt und mache einen ausgiebigen Spaziergang vom Sablon- ins Marollenviertel: zwei Viertel, die zentral liegen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das Sablon-Viertel

Ich starte meinen Spaziergang durch Brüssel am Grand Sablon/Grote Zavel, eines der schönsten Stadtviertel. Jedes Wochenende findet hier ein Antiquitätenmarkt statt. Ich streife an den Ständen mit altem Silberbesteck, Schmuck und Manschettenknöpfen vorbei. Um die Ecke folgen Gemälde und antike Möbel. An einem der Ständer sehe ich einen Ring mit einem Preisschild über 1750 € und stelle schnell fest, dass dieser Markt wohl nur ein sehr ausgewähltes Publikum anspricht.

Antiquitätenmarkt - Brüssel

Seitlich des dreieckigen Platzes „Grand Sablon“ sehe ich das Ladenschild von Pierre Marcolini und weiteren namenhaften Pralinenherstellern. Ein Laden ist schicker als der andere.

Geschäft - Grand Sablon - Brüssel

Über der Kirche „Notre Dame du Sablon“ blinzele ich der Sonne entgegen. Dahinter verbirgt sich der kleine Bruder „Petit Sablon“ oder „kleine Zavel“, wie die Flamen ihn nennen.

Ein schöner Park: klein und sehr gepflegt. Der Park wurde 1890 angelegt und ist von einem eisernen Zaun umgeben auf dessen Pfeilern 48 Statuen stehen, die die früheren Zünfte und Berufe von Brüssel darstellen.

Park - Petit Sablon - Brüssel

Weiter geht’s und zwar bergauf! Von weitem sehe ich eines der monumentalsten Gebäude Europas: den Justizpalast, der schon seit Jahren komplett von Baugerüsten umgeben ist. Die Brüsseler witzeln schon darüber, dass das Gebäude ohne Gerüst auseinanderfallen würde.

An der Place Polaert angekommen, lehne ich mich übers Geländer und genieße den Panoramablick über die Stadt: Weit hinten sehe ich rechts das Atomium und links die Basilika Koekelberg.

Panoramablick über Brüssel

In den Marollen

Ein Aufzug führt mich runter auf die Etage „Brüssel/ -1“, ins Marollenviertel: heute ein Arbeiterviertel mit Migranten aus Marokko, der Türkei und Spanien.
Ich höre Straßenmusik, gehe auf belebten gepflasterten Gässchen und sehe Menschen beim Aperitif auf einer Terrasse: „Bin ich in Paris?“.

Auch hier sind die Antiquitätenläden und Galerien sonntags geöffnet: Kunst so weit das Auge reicht. An der nächsten Ecke grinst mir ein Straßenmusikant freundlich entgegen.

Strassenmusiker Brüssel

Ich erreiche die Place du Jeu de Balle. Ein riesiger Flohmarkt findet hier täglich statt.

Dieser ist kein Vergleich zum schön präsentierten Antiquitätenmarkt am Grand Sablon. Ein Gewusel an Menschen umringt mich: jeder der vorbeikommt hat eine andere Nationalität und gefühlte 100 Sprachen prasseln auf mich ein.

Die Ware wird auf Bettlaken ausgelegt: von der Gitarre bis zum Knopf findet man hier alles. Man muss nur etwas Geduld mitbringen.

Flohmarkt Brüssel - Place Jeu de balle

Ich brauche eine Pause von diesem multikulturellen Zusammenprall und flüchte mich auf eine kleine Terrasse am Rande des Marktes ins „Le Pavé“. Ah, hier wird wieder französisch gesprochen und ich bestelle: „un café, s’il vous plaït!“ für nur 1,60 €, was für Brüsseler Verhältnisse recht billig ist.

Mein Spaziergang durch Brüssel führt mich nun zu den „Halles des Tanneurs“. Hier herrscht großer Andrang beim Bio-Markt, wo die ernährungsbewussten Brüsseler jede Woche ihr Obst und Gemüse einkaufen.

Biomarkt Brüssel

Weiter geht es zu „Les Brigittines“, eine barocke Kirche mit seiner zeitgenössischen Kopie. Ich setze mich auf eine Parkbank und betrachte die zwei miteinander verbundenen Bauten.

Zwei Männer laden Bühnenelemente in einen Lieferwagen. Seit 1975 wird die Kirche als Kulturzentrum genutzt und ist Mittelpunkt der zeitgenössischen Kulturszene von Brüssel.

Les Brigittines Brüssel

Nun erklimme ich den letzten Berg meines Sonntagsspaziergangs und erreiche meine letzte Etappe im Marollenviertel: die Kapellenkirche.

Die zu Französisch „Eglise Notre Dame de la Chapelle“ wurde 1210 errichtet und ist eines der ältesten Monumente von Brüssel.

Kapellenkirche Brüssel

Hier beende ich meinen Sonntagsspaziergang durch Brüssel.

Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in unserer Hauptstadt.

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Film: Eldorado – Ein Roadtrip durch Belgien

ELDORADO, der Roadmovie durch die Natur Belgiens ist in 2008 erschienen: ein Film über Vertrauen und Freundschaft mit herausragendem Soundtrack.

Die Story

Yvan ist Gebrauchtwagenhändler und findet eines Abends den drogensüchtigen Elie (Fabrice Adde) unter seinem Bett, den er verscheuchen möchte. Ellie beteuert clean zu sein. Das einzige was er möchte ist Geld für eine Busfahrt zu seiner Mutter.

Schnell entwickelt Yvan Mitleid mit dem auf Entzug lebenden Elie und beschließt ihn zu seinen Eltern an die französisch-belgische Grenze zu bringen. Ein Roadtrip durch grüne Felder und Wälder unter grauem Himmel durchs Land startet: In einem alten Chevrolet fährt Yvan mit seinem ebenso durchgeknallten und verzottelten Junkie-Freund quer durch Belgien.

Eldorado - Roadmovie

Ihr Trip ist vollgespickt mit einerseits skurrilen Situationen, die den Zuschauer zum losprusten verleiten und anderseits melancholischen Szenen, die einen schwer Schlucken lassen. Super finde ich den perfekt auf den Film abgestimmte Soundtrack von Renaud Mayer. Alleine die Musik macht den Film absolut sehenswert. Dazu zeigt der Film beeindruckende Landschaftsbilder mit unglaublichen Weiten von Natur, die einen an Amerika und nicht an die Wallonie in Belgien denken lassen.

Eldorado - Roadmovie

Bouli Lanners: Regisseur und Hauptdarsteller

Eldorado ist ein Film von und mit Bouli Lanners in der Hauptrolle des Yvan.

Bouli (eigentlich Philippe) Lanners ist belgischer Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur.

Bouli – Jahrgang 1965 – stammt aus Moresnet (B), einen Steinwurf von Aachen entfernt und ist u.a. bekannt aus den Filmen „Nichts zu Verzollen“ und „Asterix & Obelix.

Im Eldorado spielt er einen Verschnitt aus Hagrid von Harry Potter und Gérard Depardieu in abgeschnittener Jeans, aber mit großem Herzen.

Eldorado - Bouli Lanners

Hintergrund

Der Filmtitel „Eldorado“ bezieht sich auf die Automarke Cadillac Eldorado, den Yvan ursprünglich fahren sollte, der aber durch einen Chevrolet ersetzt wurde.
Der Film gewann bei der „Quinzaine des Réalisateurs“ in Cannes 2008 den Hauptpreis und wurde mit dem Preis der Internationalen Filmkritiker-Jury FIPRESCI ausgezeichnet.
In der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ war er außerdem Belgiens offizieller Vorschlag für die Oscar-Verleihung in 2009, schaffte es aber nicht unter die fünf Nominierten.
Eldorado ist ein Independent-Film, den man entweder liebt oder hasst. Ich liebe ihn.

Trailer zum Film:

http://youtu.be/Cv3OhzPUVp8

 

Film in Arte-Mediathek ansehen

 

Eldorado: Film bestellen

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Brüssel – Jugendstil mit toller Aussicht

Mitten in Brüssel befindet sich ein tolles Gebäude mit dem Schriftzug „Old England“. Dieses Meisterwerk wurde 1886 im Jugendstil, oder viel schöner in Französisch: „Art Nouveau“ erbaut.

Musikinstrumentenmuseum Brüssel

In diesem Gebäude befanden sich die ehemaligen Geschäftslokale des Warenhauses „Old England“. Nach einer Renovierung ist hier seit 1993 das Musikinstrumentenmuseum untergebracht. Über 8000 verschiedene Instrumente aus aller Welt werden auf neun Etagen gezeigt. Ich gehe hinein und sage der Empfangsdame, dass ich nur auf die Dachterrasse möchte und verpflichte mich ein Getränk zu bestellen. Ich warte auf den Aufzug und fahre mit 16 weiteren Personen auf die 10. Etage.

Oben angekommen sehe ich einen verwinkelten Teesalon mit angeschlossener Terrasse. In Brüssel scheint die Herbstsonne: die Terrasse sitzt also voll.

Teesalon - Old England - Brüssel

Terrasse - Old England - Musikinstrumentenmuseum

Ich ergattere einen der letzten Plätze und genieße die warmen Sonnenstrahlen und vor allem diese tolle Aussicht. Von hier oben sieht man runter auf den Museumsplatz, wo sich auch das Magritte-Museum befindet. Etwas weiter erkenne ich den Königspalast, den BOZAR (Musée des Beaux-Arts) und die goldene Kuppel des Justizpalastes.

Musikinstrumentenmuseum Brüssel - Aussicht

Old England - Aussicht

Schnell ist ein zum Spaßen aufgelegter Kellner bei mir. Da es gerade 12.30 Uhr ist, beschließe ich über Brüssels Dächern zu Mittag zu essen. Ich bestelle die Quiche des Tages mit Porree (Lauch) und Ziegenkäse für 13 €. Ein Gläschen Rosé darf natürlich nicht fehlen.

Quiche - Terrasse Old England Brüssel

Art nouveau = Jugendstil
Während ich auf das Essen warte schaue ich im Reiseführer den Begriff „Art nouveau“ nach. Ich lese, dass es sich um eine europaweite Stilveränderung in der Architektur und Kunst zwischen 1895 und 1905 handelt. Der Drang nach Erneuerung hat die Architekten in dieser Zeit bewegt neue Gebäude zu entwerfen. Bekannte Architekten dieser Epoche sind Gaudí in Barcelona oder der Belgier Victor Horta. Horta entwickelte den Jugendstil damals vor allem in den exklusiven Brüsseler Stadtvierteln Elsene und Saint Gilles. Heute befindet sich in der Rue Américaine das Horta- Museum, damaliges Wohnhaus und Atelier des Architekten. Das Gebäude „Old England“ wird auch erwähnt: Victor Horta hat diesem gemeinsam mit den Architekten Paul Saintenoy und Paul Hankar seinen Stempel aufgedrückt.
Nach dem Mittagsimbiss packe ich meine sieben Sachen zusammen. Dieses Mal laufe ich die schönen und sehr breiten Treppen in Richtung Erdgeschoss runter.

Old England von innen - Brüssel

Wieder draußen auf Brüssels Boden angekommen, stelle ich fest, dass sich auch der Blick über den Mont des Arts/ Kunstberg lohnt. Ganz vorne steht eine in sich drehende Statue, dahinter sieht man den Turm des Brüsseler Rathauses an der Grande Place und am Horizont die Basilique de Sacré-Coeur/ Basiliek de Koekelberg.
Mont des Arts Kunstberg Brüssel
Adresse: 
Muziekinstrumentenmuseum(MIM) im Old England
Hofberg 2
1000 Brüssel
Öffnungszeiten Di-Fr 9.30 – 17 Uhr, Sa/So 10 – 17 Uhr

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